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Die kurze AntwortWie eine Woche mit beidem aussiehtWas nachgibt — und was nichtWas dein Arbeitgeber damit zu tun hatWie lange diese Phase dauertHäufige FragenAngestellt und selbstständig: die kurze Antwort
Ja, beides gleichzeitig geht — und es ist unspektakulärer, als es klingt. Für die allermeisten heißt „angestellt und selbstständig“ nicht zwei Jobs, sondern ein Hauptjob und ein paar Stunden in der Woche für etwas Neues. Dein Gehalt läuft weiter, dein Versicherungsschutz aus der Anstellung bleibt, und das Neue muss am Anfang nichts tragen. Genau das ist der Punkt: Du kannst dich ausprobieren, ohne etwas aufs Spiel zu setzen.
Über Steuern, Anmeldung und Krankenkasse findest du im Netz alles. Über die Frage, wie so eine Woche tatsächlich abläuft, findest du fast nichts — dabei ist das die Frage, die man sich an einem Sonntagabend stellt, wenn der Gedanke zum dritten Mal zurückkommt. Darum geht es hier: um Zeit, Energie und darum, was das mit dem Rest deines Lebens macht.
Was „angestellt und selbstständig“ praktisch heißt
Du bleibst angestellt — mit allem, was dazugehört: festes Gehalt, Urlaubsanspruch, Kündigungsschutz, Sozialversicherung über den Arbeitgeber. Ob das eine Vollzeit- oder eine Teilzeitstelle ist, ändert daran nichts. Daneben arbeitest du auf eigene Rechnung, meist für ein paar Stunden in der Woche. Der Hauptjob bleibt der Hauptjob; die Selbstständigkeit ist der kleinere Teil. Solange das so ist, spricht man vom Nebenerwerb. Steuern, Anmeldung und Krankenkasse sind dabei eigene Themen mit eigenen Regeln — die stehen in unserem Beitrag über die nebenberufliche Selbstständigkeit, hier lassen wir sie bewusst außen vor.
Ungewöhnlich ist das nicht, im Gegenteil. Im Jahr 2025 haben sich in Deutschland rund 690.000 Menschen selbstständig gemacht — davon 483.000 im Nebenerwerb und nur 206.000 im Vollerwerb (KfW-Gründungsmonitor 2026, veröffentlicht am 19.05.2026). Sieben von zehn fangen also neben etwas anderem an. Beides gleichzeitig zu machen, ist damit nicht die Ausnahme. Es ist der Normalfall, über den nur niemand redet — weil die meisten es für sich behalten.
Wie eine Woche mit beidem wirklich aussieht
Die Frage ist nicht, welcher Wochentag der richtige ist. Die eine hat montags Kraft, die andere erst mittwochs, und wer in Schichten arbeitet, hat gar keinen festen Rhythmus. Zwei andere Dinge entscheiden darüber, ob es über Monate hält: wie viel Zeit zusammenkommt und ob sie in Blöcken liegt oder in Schnipseln. Und das hängt vor allem daran, wie deine Stelle zugeschnitten ist. Was wir in unseren Mentoring-Gruppen sehen:
| Deine Anstellung | Wie die Zeit fürs Eigene meist liegt | In Summe | Was du dafür in Kauf nimmst |
|---|---|---|---|
| Vollzeit | zwei bis drei Abende und ein längerer Block am Wochenende | 5–8 Stunden | Die Abende sind die schlechtere Zeit. Alles, was Konzentration braucht, muss in den Block am Wochenende |
| Teilzeit, auf Tage verteilt (etwa vier statt fünf Tage) | ein ganzer freier Werktag, oft zusätzlich ein Abend | 8–12 Stunden | Weniger Gehalt — der doppelte Boden wird dünner. Dafür fällt die Arbeit in die Zeit, in der auch andere erreichbar sind |
| Teilzeit, täglich verkürzt | zwei bis drei Nachmittage | 6–10 Stunden | Kein langer Block. Gut für Kleinteiliges, schwierig für alles, was am Stück gedacht werden will |
| Schicht oder unregelmäßige Zeiten | keine festen Tage, sondern die freien Tage am Stück | schwankt stark | Die Woche taugt nicht als Maß — geplant wird im Monat |
Zwei Dinge sind in allen vier Zuschnitten gleich. Erstens: feste Zeiten schlagen freie Zeit. „Wenn ich mal Zeit habe“ führt zuverlässig dazu, dass es nicht stattfindet. Zwei Termine, die im Kalender stehen und nicht verhandelt werden, bringen mehr als der beste Vorsatz. Zweitens: ein langer Block schlägt drei kurze. Was Konzentration braucht, gehört in den Block; die kurzen Zeiten sind für das, was du auch müde noch schaffst — eine Mail, ein Anruf, ein Profil aktualisieren.
Und es ist weniger Zeit, als die meisten sich vornehmen. Fünf bis acht Stunden in der Woche klingen nach wenig; genau deshalb halten sie über Monate. Wer zwanzig Stunden einplant, hört nach drei Wochen wieder ganz auf. Zwei Muster sehen wir immer wieder scheitern: der Abend, der erst um halb zehn anfängt, und das Wochenende, das schon vor Montag komplett verplant ist.
Die Teilzeit-Variante ist die, die sich viele zuerst vorstellen: die Stelle auf vier Tage reduzieren und den fünften für das Eigene nutzen. Sie hat einen echten Vorteil — ein ganzer Werktag ist mehr wert als fünf Abende, weil Kundinnen, Ämter und Gesprächspartner dann erreichbar sind. Und sie hat einen Preis, der vorher auf den Tisch gehört: Weniger Stunden heißen weniger Gehalt, und damit wird der doppelte Boden ausgerechnet in der Phase dünner, in der du ihn brauchst. Ob dein Arbeitgeber eine Reduzierung mitmacht und was dabei für dich gilt, klärst du dort — und im Zweifel mit einer Fachanwältin.
Womit die Stunden gefüllt sind, hängt davon ab, worauf du zugehst. Geht es auf eine Remote-Anstellung zu, sind es Bewerbungen, Gespräche und Vorbereitung — und die Gespräche fallen in die Arbeitszeit, was die eigentliche organisatorische Aufgabe ist. Geht es aufs Freelancing zu, sind es erste kleine Aufträge, und die bringen Abgabetermine mit, die sich nicht an deinen freien Abend halten. Was die beiden Wege sonst noch unterscheidet, steht in Freelancing oder Remote-Job.
Was nachgibt — und was nicht nachgeben darf
Es wäre unehrlich, das als leicht zu verkaufen. Diese Stunden kommen nicht aus dem Nichts, sie kommen von woanders her. Die Frage ist nur, von wo.
- Was nachgibt: ein Teil deiner Abende. Serien, Sofa, das zweite Glas Wein am Dienstag. Das ist der ehrliche Preis, und die meisten zahlen ihn ohne großes Bedauern — weil das, was an die Stelle tritt, ihnen gehört.
- Was nachgibt: spontane Pläne. „Kommst du gleich mit?“ wird schwieriger. Nicht unmöglich, aber es braucht ein zweites Nachdenken — und das stört meistens die anderen mehr als dich.
- Was nicht nachgeben darf: dein Schlaf. Wer regelmäßig bis halb eins arbeitet, ist im Hauptjob langsamer und braucht dort länger für dasselbe. Das rechnet sich nie.
- Was nicht nachgeben darf: die Arbeit, für die du bezahlt wirst. Der Hauptjob finanziert die ganze Sache. Er ist nicht das Problem, das du loswerden willst, sondern die Grundlage, auf der du aufbaust — jedenfalls so lange, bis das Neue trägt.
- Was nicht nachgeben darf: feste Termine mit Menschen. Der Sport am Donnerstag, das Abendessen mit deiner Schwester. Was einmal gestrichen ist, kommt nicht von selbst zurück, und diese Phase dauert länger als ein paar Wochen.
Der Grund, warum sich das trotzdem lohnt, ist der doppelte Boden. Du probierst etwas aus, während das Gehalt weiterläuft — und wenn es nicht funktioniert, hast du ein paar Abende verloren und nicht deine Existenz. Genau in dieser Reihenfolge: erst aufbauen, dann kündigen. Warum die umgekehrte Reihenfolge teuer wird, haben wir in Kündigen ohne neuen Job aufgeschrieben.
Was dein Arbeitgeber damit zu tun hat
Diese Frage kommt bei uns in fast jedem ersten Gespräch, und meistens klingt sie so, als ginge es um etwas Verbotenes. Das ist es nicht. Eine Nebentätigkeit ist erlaubt; was dein Arbeitsvertrag regeln kann, ist, ob du sie anzeigen oder dir genehmigen lassen musst. Beides ist verbreitet, und beides ist kein Nein.
Ein ehrlicher Hinweis, bevor du weiterliest
Wir sind keine Anwältinnen und keine Steuerberaterinnen, und dieser Artikel ist keine Auskunft über deinen Fall. Was in deinem Arbeitsvertrag steht, gilt — und was daraus folgt, sagt dir im Zweifel eine Fachanwältin für Arbeitsrecht. Für alles rund um Steuern ist die Steuerberaterin oder das Finanzamt zuständig, für den Versicherungsschutz deine Krankenkasse. Diese drei Stellen geben dir eine verbindliche Antwort; ein Blogartikel kann das nicht, und wir wollen es auch gar nicht versuchen.
Was wir aus vielen Gesprächen sagen können: Die Sorge ist fast immer größer als die Sache. Die üblichen Punkte, um die es geht, sind nachvollziehbar — dass die Nebentätigkeit nicht in Konkurrenz zum Arbeitgeber steht, dass sie nicht in die Arbeitszeit fällt und dass die Arbeitsleistung nicht leidet. Wer tagsüber Projekte steuert und abends Texte schreibt, kommt mit keinem dieser drei Punkte in Konflikt.
Und dass du es für dich behältst, ist in Ordnung. Viele Frauen, die zu uns kommen, erzählen im Betrieb nichts davon. Das ist keine Heimlichtuerei, sondern eine vernünftige Entscheidung: Solange noch offen ist, wohin es geht, muss niemand mitdiskutieren. Was du deinem Vertrag schuldest, klärst du. Dem Flurfunk schuldest du nichts.
Wie lange diese Phase dauert
Das ist der Teil, den die Ratgeber ganz weglassen, weil sie die Doppelrolle als Dauerzustand behandeln. Bei den meisten Frauen, die wir begleiten, ist sie das nicht. Sie ist eine Übergangszeit mit Anfang und Ende — und sie endet auf eine von drei Arten.
| So endet die Phase | Woran du es merkst | Was dann passiert |
|---|---|---|
| Die Remote-Anstellung kommt | ein unterschriebener Vertrag | Die Doppelrolle endet mit dem Wechsel. Das Nebenberufliche war die Übung, nicht das Ziel |
| Das Selbstständige trägt | die Einnahmen ersetzen einen spürbaren Teil des Gehalts, und es kommt regelmäßig etwas nach | Die Kündigung wird zur Formsache — sie steht am Ende, nicht am Anfang |
| Es bleibt, wie es ist | Es läuft, aber du willst es gar nicht größer | Auch ein Ergebnis — und für manche das eigentliche Ziel: eine Teilzeitstelle mit festem Gehalt und daneben die eigene Arbeit. Der Job ist dann leichter zu tragen, weil er nicht mehr alles ist |
Wie lange es bis dahin dauert, lässt sich nicht seriös versprechen. Ein Anhaltspunkt aus unserem Mentoring: Anni hat neben ihrem Job angefangen und nach sieben Monaten gekündigt — da standen die ersten Umsätze, und sie hat den 9-to-5-Job, wie sie selbst schreibt, „endgültig an den Nagel gehangen“. Sieben Monate sind kein Versprechen und keine Vorgabe. Sie zeigen nur, in welchen Zeiträumen das stattfindet: in Monaten, nicht in Wochen.
Dazu gehört, dass sich der Plan in dieser Zeit ändert, und das ist kein Rückschritt. Pauleen beschreibt es so: „Mittendrin hatte sich mein Plan zweimal, auch für mich, überraschend geändert.“ Genau dafür ist diese Phase da — ein Richtungswechsel mittendrin kostet dich nichts, solange das Gehalt läuft. Und sie schreibt einen zweiten Satz, den wir wichtig finden: „Auch hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl von Zeitdruck.“ Wer neben dem Gehalt aufbaut, hat diesen Druck nicht. Das ist der ganze Unterschied.
Wenn du wissen willst, in welcher Reihenfolge die Schritte sinnvollerweise kommen — und was davon überhaupt zu deinem Leben passt —, zeigen wir das im kostenlosen Remote-Work-Training. Einen Überblick über beide Wege, die Anstellung und die Selbstständigkeit, findest du auf unserer Seite zum ortsunabhängigen Arbeiten.
Häufige Fragen
Kann man gleichzeitig angestellt und selbstständig sein?
Ja. Eine Anstellung und eine selbstständige Tätigkeit schließen sich nicht aus — solange die Anstellung den größeren Teil ausmacht, spricht man vom Nebenerwerb. Das ist in Deutschland der Normalfall beim Start in die Selbstständigkeit: Von rund 690.000 Menschen, die sich 2025 selbstständig gemacht haben, waren 483.000 im Nebenerwerb (KfW-Gründungsmonitor 2026). Zu klären sind zwei Dinge: was dein Arbeitsvertrag zur Nebentätigkeit sagt, und die steuerliche und versicherungsrechtliche Seite — dafür sind Steuerberatung, Finanzamt und Krankenkasse zuständig.
Wie viele Stunden in der Woche braucht man dafür?
Nach unserer Erfahrung aus dem Mentoring sind es neben einer Vollzeitstelle fünf bis acht Stunden in der Woche, meist verteilt auf zwei bis drei Abende und einen zusammenhängenden Block am Wochenende. Wer in Teilzeit arbeitet, kommt oft auf acht bis zwölf Stunden, weil ein ganzer freier Werktag zusammenhängend nutzbar ist. Das klingt in beiden Fällen nach wenig, reicht aber über Monate hinweg aus. Wer sich zwanzig Stunden vornimmt, hält es selten länger als drei bis vier Wochen durch. Wichtiger als die Menge ist die Regelmäßigkeit: zwei feste Termine, die nicht verhandelt werden, bringen mehr als ein gelegentlicher langer Tag.
Lohnt es sich, für die Selbstständigkeit auf Teilzeit zu gehen?
Das ist eine Abwägung, keine Rechenaufgabe — und sie fällt je nach Lage unterschiedlich aus. Dafür spricht: Ein ganzer freier Werktag ist mehr wert als fünf Abende, weil er zusammenhängend ist und in die Zeit fällt, in der Kundinnen, Ämter und Gesprächspartner erreichbar sind. Dagegen spricht: Weniger Stunden bedeuten weniger Gehalt, und damit wird genau der doppelte Boden dünner — und der ist der Grund, warum du diesen Weg überhaupt neben dem Job gehst. Wer diesen Schritt erwägt, sollte vorher wissen, wie lange die Rücklage das trägt — und ob der Arbeitgeber eine Reduzierung überhaupt mitmacht.
Muss mein Arbeitgeber von meiner Nebentätigkeit wissen?
Das hängt von deinem Arbeitsvertrag ab. Viele Verträge enthalten eine Klausel, nach der eine Nebentätigkeit angezeigt oder genehmigt werden muss; ein generelles Verbot ist unüblich. Worum es dabei in der Regel geht: keine Konkurrenz zum Arbeitgeber, keine Tätigkeit während der Arbeitszeit, keine Beeinträchtigung der Arbeitsleistung. Was in deinem Fall gilt, steht in deinem Vertrag — und wenn die Formulierung unklar ist, ist eine Fachanwältin für Arbeitsrecht die richtige Adresse, nicht ein Forum.
Wie lange dauert die Phase, in der man beides macht?
In aller Regel Monate, nicht Wochen — und sie endet auf eine von drei Arten: Es kommt eine neue, ortsunabhängige Anstellung, das Selbstständige trägt genug für den Wechsel, oder es bleibt als zweites Standbein bestehen. Eine Frau aus unserem Mentoring hat sieben Monate gebraucht, bis sie ihren Job kündigen konnte. Das ist ein Beispiel und keine Vorgabe: Wie lange es dauert, hängt von der Branche ab, von den Stunden, die du wirklich hast, und davon, wie klar deine Richtung zu Beginn ist.
Was ändert sich bei Steuern und Krankenversicherung?
Einiges — und genau darauf geben wir hier bewusst keine Antwort. Wir sind keine Steuerberaterinnen, und die Regeln hängen von der Art der Tätigkeit, der Höhe der Einnahmen und deinem Versicherungsstatus ab. Verbindlich beantworten das drei Stellen: das Finanzamt oder eine Steuerberaterin für alles Steuerliche, deine Krankenkasse für den Versicherungsschutz, eine Fachanwältin für arbeitsrechtliche Fragen. Was sich sagen lässt: Der Versicherungsschutz aus deiner Anstellung bleibt bestehen, solange die Anstellung dein Hauptberuf ist — wo genau diese Grenze verläuft, entscheidet deine Krankenkasse im Einzelfall.
Über die Autorin
Nicole „Nici“ Engbers ist Mitgründerin von Nomads on a Path. Sie hat Marketing in den Niederlanden studiert und über zehn Jahre in Werbeagenturen in Köln, Düsseldorf und Münster gearbeitet. Seit 2023 arbeitet sie ortsunabhängig — zuerst remote angestellt, seit 2026 als selbstständige Freelancerin. Gemeinsam mit Ralph begleitet sie im Mentoring The Nomads Work Frauen auf beiden Wegen in die Remote-Arbeit.
Du weißt, wie die Woche aussieht — aber nicht, womit du anfängst?
Im kostenlosen Remote-Work-Training zeigen wir dir, wie der Übergang in die ortsunabhängige Arbeit neben deinem Job funktioniert: welcher der beiden Wege zu deiner Situation passt, wie du deine Berufserfahrung überträgst und in welcher Reihenfolge du vorgehst, damit dein Gehalt so lange weiterläuft, wie du es brauchst.
Sichere dir deinen Platz im Live-Training →Kostenlos · 60 Minuten · von Nici & Ralph