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Der eigentliche UnterschiedWas sich real unterscheidetWas das mit deinem Gehalt machtWoran die Entscheidung wirklich hängtDu musst dich jetzt nicht entscheidenWie andere sich entschieden habenHäufige FragenDer eigentliche Unterschied
Die meisten Gegenüberstellungen zu diesem Thema stellen Freiheit gegen Sicherheit: hier die Angestellte mit festem Gehalt und Chef, dort die Freelancerin mit Laptop und Selbstbestimmung. Das ist eine Erzählung, keine Unterscheidung — es gibt starre Freelancing-Aufträge und es gibt Remote-Anstellungen, in denen niemand fragt, wann du online bist.
Der Unterschied, aus dem alles andere folgt, ist nüchterner: Wie oft du deine Arbeit verkaufen musst. Als Remote-Angestellte verkaufst du sie einmal — im Bewerbungsprozess. Danach läuft ein Vertrag, und dein Einkommen ist eine Zahl, die jeden Monat gleich ist. Als Freelancerin verkaufst du sie immer wieder: bei jeder neuen Kundin, jedem neuen Projekt, jeder Verlängerung.
Die zwei Wege — kurz erklärt
Remote-Anstellung heißt: ein regulärer Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen, nur ohne Bürobindung. Du bist weisungsgebunden, bekommst ein festes Gehalt, dein Arbeitgeber trägt die Hälfte deiner Sozialabgaben, du hast bezahlten Urlaub und Kündigungsschutz.
Freelancing heißt: Du arbeitest selbstständig für mehrere Auftraggeber, auf Stunden- oder Projektbasis. Du bestimmst Aufträge, Preise und Zeiten, trägst dafür aber Krankenversicherung und Altersvorsorge allein und hast weder bezahlten Urlaub noch Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Was sich real unterscheidet
Sieben Punkte, an denen die beiden Wege tatsächlich auseinandergehen. Alles andere — Ortsunabhängigkeit, Selbstbestimmung, Sinn — hängt stärker vom konkreten Arbeitgeber oder der konkreten Kundin ab als vom Weg.
| Remote-Anstellung | Freelancing | |
|---|---|---|
| Wer dich bezahlt | ein Arbeitgeber | mehrere Kundinnen |
| Wie das Einkommen entsteht | einmal verhandelt, dann monatlich gleich | jedes Projekt neu verhandelt, schwankend |
| Absicherung | Arbeitgeber zahlt die Hälfte, Lohnfortzahlung, bezahlter Urlaub, Anspruch auf ALG I | alles selbst; kein bezahlter Urlaub, kein ALG I |
| Bis zum ersten Geld | oft 3 bis 6 Monate Bewerbungsprozess | oft schneller — die erste kleine Rechnung kann in Wochen stehen |
| Was neben dem Job zu tun ist | Unterlagen bauen, bewerben, Gespräche führen | Angebot formulieren, anmelden, erste Kundin finden |
| Was am meisten kostet | Geduld — du wartest auf Entscheidungen anderer | Sichtbarkeit — du musst dich anbieten, immer wieder |
| Wie leicht rückgängig | gut — eine Anstellung lässt sich kündigen | gut — Aufträge lassen sich auslaufen lassen |
Die letzte Zeile ist die, die in den meisten Vergleichen fehlt, und sie nimmt der Frage viel Gewicht. Keine der beiden Entscheidungen ist endgültig. Du wählst hier keinen Beruf für die nächsten dreißig Jahre, sondern die Form, in der du die nächsten ein bis zwei Jahre arbeitest.
Was das mit deinem Gehalt macht
Hier wird es konkret, und hier führen die meisten Artikel in die Irre — weil sie mit IT-Gehältern rechnen. Wenn ein Vergleich bei 70.000 Euro brutto und 80 Euro Stundensatz anfängt, beschreibt er eine Softwareentwicklerin, keine Projektmanagerin oder Marketingfrau mit zehn Jahren Erfahrung.
Rechnen wir deshalb mit einer realistischeren Ausgangslage: 3.500 Euro netto im Monat als Angestellte. Die Frage lautet nicht „verdiene ich als Freelancerin mehr?“, sondern: Welchen Umsatz brauche ich, damit am Ende dasselbe übrig bleibt? Denn dein Arbeitgeber zahlt heute Dinge mit, die du nie auf deiner Abrechnung siehst.
| Was zusammenkommen muss | Größenordnung pro Jahr |
|---|---|
| Das, was du am Ende in der Hand hältst | 42.000 € |
| Kranken- und Pflegeversicherung, allein getragen | rund 12.000 € |
| Altersvorsorge auf dem bisherigen Niveau | rund 7.000 € |
| Einkommensteuer auf den Gewinn | rund 15.000 € |
| Betriebsausgaben: Software, Versicherungen, Buchhaltung | rund 5.000 € |
| Nötiger Jahresumsatz | grob 80.000 € |
Das sind Näherungswerte — deine Steuerklasse, deine Krankenkasse und dein Bundesland verschieben sie. Als Größenordnung sind sie belastbar, und sie führen zu zwei Einsichten, die man vorher selten hört.
Erstens: Umsatz ist nicht Arbeitszeit. Von einem Arbeitsjahr sind realistisch etwa 1.100 Stunden abrechenbar — der Rest geht für Akquise, Angebote, Buchhaltung, Urlaub und Krankheit drauf. Aus 80.000 Euro Umsatz werden damit rund 70 bis 75 Euro pro Stunde. Das ist die Zahl, an der sich entscheidet, ob Freelancing für dich rechnet — nicht der Monatsumsatz.
Zweitens: Ein Remote-Job ist finanziell keine Rückstufung. Wer aus einer Bürostelle in eine Remote-Anstellung wechselt, verhandelt in der Regel das gleiche Gehaltsband. Der Unterschied liegt woanders: Du sparst den Arbeitsweg, nicht den Arbeitgeber. Wer also vor allem ortsunabhängig arbeiten will und nicht unternehmerisch, hat mit dem Remote-Job den kürzeren Weg zum selben Ziel.
Ein Hinweis, weil er in fast jedem Vergleich falsch steht: Die Kleinunternehmerregelung greift seit dem 1. Januar 2025 bei 25.000 Euro Umsatz im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr (§ 19 UStG), nicht mehr bei 22.000 Euro. Was sonst noch zu regeln ist, wenn du selbstständig anfängst, steht in Nebenberuflich selbstständig neben dem Angestelltenjob.
Woran die Entscheidung wirklich hängt
Nicht am Geld — die Größenordnungen liegen näher beieinander, als beide Lager behaupten. Sie hängt an vier Fragen, und die haben nichts mit Können zu tun.
- Wie viel Struktur brauchst du von außen? Manche Menschen arbeiten besser, wenn ein Team, ein Termin und eine Erwartung da sind. Das ist keine Schwäche, sondern eine Information. Freelancing liefert diese Struktur nicht mit; du musst sie dir selbst bauen, jede Woche neu.
- Wie gut hältst du Schwankung aus? Nicht theoretisch, sondern praktisch: Was macht es mit dir, wenn im März 4.200 Euro reinkommen und im April 900? Wer bei dieser Vorstellung nachts wach liegt, wird als Freelancerin unglücklich, auch wenn die Jahressumme stimmt.
- Willst du dich anbieten? Freelancing heißt, regelmäßig zu sagen, was du kannst und was es kostet — auf einer Website, in Gesprächen, in Angeboten. Für viele ist das die eigentliche Hürde, nicht die fachliche Arbeit.
- Wie schnell soll es gehen? Die erste kleine Freelance-Rechnung kann in wenigen Wochen stehen. Eine gute Remote-Anstellung dauert oft drei bis sechs Monate, weil du auf die Entscheidungen anderer wartest. Umgekehrt ist ein volles Freelancing-Einkommen deutlich weiter weg als ein volles Gehalt.
Auffällig ist, was in dieser Liste nicht steht: deine Qualifikation. Beide Wege stehen dir mit derselben Berufserfahrung offen. Sie ist dein Startkapital — was sich unterscheidet, ist die Form, in der du sie anbietest. Wie man sie für eine Bewerbung übersetzt, steht in Bewerbung als Quereinsteigerin.
Du musst dich jetzt nicht entscheiden
Das ist der Punkt, an dem sich dieser Artikel von den meisten unterscheidet: Die Frage „Freelancing oder Remote-Job?“ wird fast immer als Weggabelung dargestellt — einmal abbiegen, nie zurück. Praktisch stimmt das nicht. Beide Wege lassen sich neben deinem laufenden Job testen, und die Reihenfolge ist umkehrbar.
Praktisch heißt das: Du kannst dich drei Monate lang bewerben und parallel eine erste kleine Kundin bedienen. Beides zusammen kostet Abende und Wochenenden, aber nichts von dem, was du hast. Nach diesen drei Monaten weißt du mehr als nach jedem Test — weil du gemerkt hast, was dir leichtfällt und was du vor dir herschiebst.
Die einzige Regel, die dabei zählt, steht unten in der Grafik: Gekündigt wird, wenn das Neue trägt — nicht, damit es entsteht. Alles andere ist Reihenfolge, und die darfst du ändern.
Wie andere sich entschieden haben
Drei Frauen aus unserem Mentoring, drei verschiedene Ausgänge. Keine davon ist ein Versprechen — sie zeigen die Bandbreite.
| Weg | Wo sie heute steht | |
|---|---|---|
| Anni | Freelancing | selbstständig, erste Umsätze — nach 7 Monaten gekündigt |
| Michaela | Remote-Anstellung | mitten im Bewerbungsprozess, mehrere Gespräche |
| Eva | keiner von beiden | bewusst geblieben, wo sie ist |
Anni hat den Freelancing-Weg neben ihrem Job begonnen und ihn zu Ende gegangen: „Jetzt, nach 7 Monaten, stehe ich in meiner Selbstständigkeit, mache die ersten Umsätze und habe den 9-to-5-Job endgültig an den Nagel gehangen.“ Sieben Monate — erst aufbauen, dann kündigen, in dieser Reihenfolge.
Michaela hat sich für die Remote-Anstellung entschieden. Sie hat gekündigt, bevor sie eine neue Stelle hatte — nicht der Weg, den wir empfehlen, und sie ist noch mittendrin: „Ich bin noch auf dem Weg zur Ortsunabhängigkeit, aber ich gehe ihn mit Klarheit und Zuversicht.“ Mehrere Bewerbungsgespräche stehen, die Stelle noch nicht. Das gehört zum ehrlichen Bild dazu: Der Bewerbungsweg braucht Ausdauer, und ohne Gehalt im Rücken wird diese Ausdauer teuer.
Eva hat sich am Ende gegen beides entschieden: „Auch wenn ich mich am Ende für ein Leben als nicht-digitaler Nomade entschieden habe, war das Coaching für mich ein voller Gewinn — ich habe Klarheit, Orientierung und eine Richtung gefunden, die sich richtig anfühlt.“ Auch das ist ein Ergebnis. Wer sich mit der Frage ernsthaft beschäftigt und danach bewusst bleibt, wo er ist, hat etwas gewonnen — nämlich die Gewissheit, dass es eine Entscheidung war und kein Versäumnis.
Was die drei verbindet: Keine hat die Frage im Kopf gelöst. Alle drei haben etwas ausprobiert und dann gemerkt, was passt. Wie beide Wege im Einzelnen funktionieren, steht auf unserer Übersichtsseite Remote arbeiten.
Häufige Fragen zu Freelancing und Remote-Job
Was ist der Unterschied zwischen einem Remote-Job und Freelancing?
Ein Remote-Job ist eine reguläre Anstellung ohne Bürobindung: fester Arbeitsvertrag, monatliches Gehalt, dein Arbeitgeber trägt die Hälfte der Sozialabgaben, du hast bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigungsschutz. Beim Freelancing arbeitest du selbstständig für mehrere Auftraggeber auf Stunden- oder Projektbasis, bestimmst Preise und Zeiten selbst und trägst Krankenversicherung sowie Altersvorsorge vollständig allein. Der praktische Kernunterschied: Als Angestellte verkaufst du deine Arbeit einmal im Bewerbungsprozess, als Freelancerin bei jedem neuen Auftrag wieder.
Verdient man als Freelancerin mehr als als Angestellte?
Nicht automatisch — der Vergleich von Stundensatz und Gehalt führt in die Irre. Wer als Angestellte 3.500 Euro netto im Monat verdient, braucht als Freelancerin grob 80.000 Euro Jahresumsatz, um am Ende dasselbe zu haben. Darin stecken Kranken- und Pflegeversicherung von etwa 12.000 Euro, Altersvorsorge von rund 7.000 Euro, Einkommensteuer und Betriebsausgaben. Weil von einem Arbeitsjahr realistisch nur etwa 1.100 Stunden abrechenbar sind, entspricht das einem Stundensatz von rund 70 bis 75 Euro. Die Werte sind Näherungen und hängen von Steuerklasse, Krankenkasse und Bundesland ab.
Kann ich beides ausprobieren, bevor ich mich entscheide?
Ja, und das ist der sinnvollste Weg. Beide Optionen lassen sich neben einer laufenden Anstellung testen: Du kannst dich auf Remote-Stellen bewerben und parallel eine erste kleine Kundin auf eigene Rechnung bedienen. Für das Freelancing brauchst du dafür eine Anmeldung beim Gewerbeamt oder Finanzamt und eine Rückmeldung deiner Krankenkasse zur Einstufung. Der Vorteil: Dein Gehalt läuft weiter, während du herausfindest, was dir tatsächlich liegt — und die Entscheidung ist in beide Richtungen umkehrbar.
Was ist sicherer — Remote-Anstellung oder Freelancing?
Kurzfristig die Anstellung: festes Gehalt, Lohnfortzahlung, Kündigungsschutz und Anspruch auf Arbeitslosengeld. Langfristig ist das Bild weniger eindeutig, weil eine Angestellte von einem einzigen Arbeitgeber abhängt, während eine Freelancerin mit vier oder fünf Kundinnen den Verlust einer einzelnen verkraftet. Die ehrliche Antwort lautet deshalb: Die Anstellung sichert dich gegen einzelne schlechte Monate ab, das Freelancing gegen den Verlust einer einzelnen Einkommensquelle. Welche Absicherung dir wichtiger ist, ist eine persönliche Frage und keine sachliche.
Welcher Weg geht schneller?
Zum ersten Geld geht Freelancing schneller: Eine erste kleine Rechnung kann innerhalb weniger Wochen stehen, sobald die Anmeldung erledigt ist. Zum vollen Einkommen geht die Anstellung schneller: Ein Bewerbungsprozess dauert typischerweise drei bis sechs Monate, danach hast du sofort das ganze Gehalt. Beim Freelancing dauert es dagegen oft ein Jahr oder länger, bis die Auslastung ein früheres Gehalt vollständig ersetzt. Wer schnell Gewissheit will, bewirbt sich; wer schnell einen ersten Beleg will, sucht eine erste Kundin.
Über den Autor
Ralph Höfting ist Mitgründer von Nomads on a Path. Er hat bis Ende 2022 im E-Commerce gearbeitet und ist seit Anfang 2023 selbstständiger Freelancer. Nici ist den anderen Weg gegangen: erst remote angestellt, seit Anfang 2026 freelancend. Beide Wege liegen damit in einem Haushalt — im Mentoring The Nomads Work begleiten die beiden Frauen auf beiden.
Du kennst jetzt den Unterschied — aber nicht, welcher Weg zu dir passt?
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