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Die kurze AntwortWoher New Work kommtNew-Work-Beispiele: was sie dir gebenWas die Zahlen sagenDrei Fragen an dein New WorkNew Work und ortsunabhängige ArbeitHäufige FragenNew Work: die kurze Antwort
Wenn in deinem Unternehmen von New Work die Rede ist, kann damit fast alles gemeint sein. Der neue Kicker im Pausenraum. Dass sich jetzt alle duzen, auch die Geschäftsführung. Das Großraumbüro ohne feste Plätze. Zwei Homeoffice-Tage pro Woche. Oder, seltener, dass du selbst entscheidest, wann und wo du arbeitest, solange die Arbeit erledigt wird. All das läuft unter demselben Wort — und es ist ein großer Unterschied, welches davon du bekommst.
Gemeint war mit New Work einmal etwas sehr Bestimmtes: Arbeit, die Menschen sich selbst aussuchen, weil sie sie tun wollen, nicht weil sie müssen. Davon ist im Alltag der meisten Büros wenig übrig. Das ist kein Grund, das Wort abzuschreiben. Aber es ist ein Grund, bei jeder Maßnahme nachzusehen, ob sie an deiner Arbeit etwas ändert oder nur an der Umgebung.
New Work — damals und heute
Ursprünglich ist New Work das Konzept des Philosophen Frithjof Bergmann: Arbeit soll nicht mehr nur Mittel zum Lebensunterhalt sein, sondern etwas, das Menschen „wirklich, wirklich wollen“. Gemeint war ein Gegenentwurf zur klassischen Lohnarbeit.
Heute bezeichnet New Work in Unternehmen den Wandel der Arbeitswelt durch Digitalisierung, flexible Arbeitsmodelle und neue Formen der Zusammenarbeit — von Homeoffice und agilen Methoden bis zu neuen Bürokonzepten und flachen Hierarchien.
Woher New Work kommt: Frithjof Bergmann und Flint
New Work ist kein Begriff aus einer Personalabteilung, sondern aus einer Krise. Die Geschichte erklärt, warum das Wort heute so viel verspricht — und warum sein Erfinder mit dem, was daraus geworden ist, nicht zufrieden war.
- Anfang der 1980er Jahre: Flint, Michigan. In der Autostadt Flint drohte die Automatisierung bei General Motors viele Menschen arbeitslos zu machen. Frithjof Bergmann, Philosophieprofessor an der University of Michigan, gründete dort ein Zentrum für Neue Arbeit. Die Idee: Statt die Belegschaft in Arbeitslose und Überlastete zu teilen, sollten alle nur noch einen Teil des Jahres in der Fabrik arbeiten — und die übrige Zeit herausfinden, welche Arbeit sie wirklich tun wollen. Die Quellen nennen als Gründungsjahr 1981 oder 1984.
- 2004: „Neue Arbeit, Neue Kultur“. In seinem Hauptwerk beschreibt Bergmann New Work als Weiterentwicklung des Wirtschaftssystems, nicht als dessen Abschaffung. Arbeit soll aus der bloßen Notwendigkeit herausgelöst werden; Technik soll helfen, Menschen unabhängiger von Lohnarbeit zu machen (zusammengefasst von Bettina-Johanna Krings, KIT, in Aus Politik und Zeitgeschichte, 08.11.2023).
- Heute: ein Sammelbegriff in Unternehmen. Krings kommt 2023 zu dem Schluss, dass nur ein kleiner Teil des Konzepts umgesetzt wird. Die Maßnahmen setzen bei den einzelnen Beschäftigten an, die Sicht der Unternehmen dominiert, der ursprüngliche gesellschaftliche Anspruch geht verloren. Bergmann selbst nannte die verkürzte Fassung 2018 im Personalmagazin „Lohnarbeit im Minirock“ — Arbeit, die etwas attraktiver aussieht, aber dieselbe bleibt.
Für dich ist daran vor allem eines wichtig: Der Kern von New Work war nie die Ausstattung, sondern die Frage, wer über die Arbeit verfügt. An diesem Kern lässt sich jede Maßnahme messen, die heute unter dem Namen läuft.
New-Work-Beispiele: was sie dir geben — und was nicht
Die meisten Erklärungen zu New Work zählen Beispiele auf: Homeoffice, Coworking, Scrum, Desk-Sharing, Duz-Kultur. Sie stehen dort gleichberechtigt nebeneinander, als wären sie Spielarten derselben Sache. Für die Menschen, die an den Schreibtischen sitzen, sind sie das nicht. Die Tabelle sortiert die bekanntesten Beispiele danach, was sie an deinem Arbeitsalltag tatsächlich ändern.
| Was Unternehmen New Work nennen | Was es dir gibt | Ändert es, wo oder wann du arbeitest? |
|---|---|---|
| Tischkicker, Obstkorb, Lounge | ein freundlicheres Büro und Pausen, die sich weniger nach Pause anfühlen | nein |
| Duz-Kultur, flache Hierarchien | kürzere Wege und weniger Förmlichkeit — und manchmal mehr Mitsprache | nein |
| Großraum, Desk-Sharing, Open Space | mehr Begegnung, weniger eigener Platz und meist mehr Lärm | nein — der Ort bleibt das Büro, nur der Platz wechselt |
| Agile Methoden wie Scrum | andere Abläufe, oft mehr Einfluss auf das Wie der Arbeit | kaum — dafür kommen feste Termine wie das tägliche Kurz-Meeting dazu |
| Homeoffice-Regelung | den Arbeitsweg zurück, an festgelegten Tagen | beim Wo ja, in den Grenzen der Regelung |
| Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit | Spielraum über den Tag; bei Vertrauensarbeitszeit wird keine Anwesenheit mehr erfasst, sondern das Ergebnis zählt | beim Wann ja — wenn die Erreichbarkeit nicht heimlich mitgemessen wird |
| Workation | einige Wochen Arbeit von einem anderen Ort aus, meist auf Antrag | beim Wo ja, aber auf Zeit |
| Remote first | ein Unternehmen, das die Arbeit grundsätzlich ohne Büro organisiert | beim Wo grundsätzlich ja, beim Wann oft auch |
Die oberen vier Zeilen sind nicht wertlos. Ein gutes Team, kurze Wege und weniger Förmlichkeit machen einen Job angenehmer, und manche Frau bleibt gerade deswegen. Aber sie gehören zu einer anderen Kategorie: Sie verändern, wie sich die Arbeit anfühlt, solange du da bist. Die unteren vier verändern, ob du da sein musst. Nur die zweite Kategorie berührt das, worum es Bergmann ging — und das, was die meisten meinen, wenn sie sagen, die Arbeit soll sich ihrem Leben anpassen.
Was die Zahlen über New Work in Deutschland sagen
Gemessen an der Zahl der Artikel, Seminare und Stellenanzeigen ist New Work überall. Gemessen daran, wie viele Menschen über Ort und Zeit ihrer Arbeit mitbestimmen, ist es eher die Ausnahme. Fünf Zahlen zeigen den Abstand.
- Knapp ein Viertel arbeitet überhaupt im Homeoffice. 24 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland haben 2024 zumindest gelegentlich von zu Hause gearbeitet — ähnlich viele wie 2022 und 2023 (Statistisches Bundesamt, Mitteilung vom 25.09.2025).
- Und es wird weniger, nicht mehr. Von denen, die im Homeoffice arbeiten, taten das 2024 nur noch 24 Prozent ausschließlich; 2021 waren es 40 Prozent (Statistisches Bundesamt, 25.09.2025). Der Ort ist für die meisten wieder enger an das Büro gebunden als vor drei Jahren.
- Der Wunsch nach freier Zeiteinteilung ist fast einstimmig. 96 Prozent der Berufstätigen wünschten sich, ihre Arbeitszeit frei einzuteilen; 53 Prozent würden Vertrauensarbeitszeit wählen, wenn sie könnten (Bitkom, repräsentative Befragung von 1.002 Berufstätigen, September 2019).
- Die Wirklichkeit passt für die wenigsten. Nur 40 Prozent der Beschäftigten haben Arbeitszeiten, die zu ihrer Lebenssituation passen, 61 Prozent erleben, dass die Arbeitszeit aus betrieblichen Gründen geändert wird (DGB-Index Gute Arbeit 2025, mehr als 4.000 Beschäftigte).
- Die Bindung an den Arbeitgeber bleibt niedrig. Nur 10 Prozent der Beschäftigten haben eine hohe emotionale Bindung an ihr Unternehmen, 77 Prozent eine geringe, 13 Prozent keine (Gallup Engagement Index Deutschland 2025, 1.700 Beschäftigte).
Die Zahlen beweisen nicht, dass New Work gescheitert ist. Sie zeigen etwas Genaueres: Das, was am meisten gewünscht wird — Mitsprache über Ort und Zeit —, ist das, was am seltensten ankommt. Wer sich bei dem Wort New Work an den Kicker und die Duz-Mail der Geschäftsführung erinnert und nicht an einen freien Nachmittag, liegt mit diesem Eindruck im Durchschnitt. Das Problem liegt dann nicht bei ihr, sondern im Abstand zwischen Wort und Rahmen.
Drei Fragen an das New Work in deinem Unternehmen
Ob New Work bei dir ankommt, steht selten in der Stellenanzeige und nie im Intranet-Artikel zur neuen Lounge. Es zeigt sich an drei Stellen im Alltag — denselben drei, an denen Bergmanns Idee ansetzte.
- Wo: Wer entscheidet über deinen Arbeitsort? Ein Homeoffice-Tag, den du beantragen musst, ist ein Zugeständnis. Ein Ort, den du wählst, solange die Arbeit erledigt wird, ist Mitsprache. Dazwischen liegen viele Abstufungen, vom festen Büro über das Homeoffice bis zur Arbeit von überall.
- Wann: Zählt die Anwesenheit oder das Ergebnis? Wenn du den Nachmittag frei nehmen kannst und die Arbeit am Abend erledigst, ohne dass es auffällt, bestimmst du mit. Wenn die Antwortzeit im Chat beobachtet wird, misst das Unternehmen weiter Anwesenheit — nur digital.
- Woran: Hast du Einfluss darauf, was du tust? Flache Hierarchien und agile Teams können echte Mitsprache bedeuten — wenn das Team über Aufgaben und Prioritäten mitentscheidet. Wenn sie nur heißen, dass die Vorgaben per Du kommen, hat sich am Inhalt nichts geändert.
Viele, die sich diese drei Fragen zum ersten Mal ehrlich stellen, stellen fest, dass ihr Unternehmen an der Oberfläche viel New Work hat und an diesen drei Stellen wenig. Das ist kein Grund für Zynismus, aber eine nützliche Klarheit. Denn dann ist die Frage nicht mehr, ob das Unternehmen modern genug ist, sondern ob die Mitsprache, die dir fehlt, in diesem Rahmen überhaupt möglich ist.
New Work und ortsunabhängige Arbeit
Am weitesten geht New Work dort, wo der Arbeitsort ganz frei wird. Wer ortsunabhängig arbeitet, als Remote-Angestellte oder als Freelancerin, hat die erste der drei Fragen beantwortet — und meist auch die zweite, weil mit dem Ort die Uhrzeit frei wird. Das ist näher an Bergmanns Idee als jedes neue Bürokonzept, auch wenn es selten so genannt wird.
| Die Form | Wo | Wann |
|---|---|---|
| Büro mit New-Work-Ausstattung | Büro | feste Zeiten oder Gleitzeit |
| Homeoffice nach Regelung | Büro und zu Hause, nach Plan | meist wie im Büro |
| Remote-Anstellung | von dort, wo du bist — je nach Vertrag in Deutschland, Europa oder weltweit | oft frei, innerhalb gemeinsamer Kernzeiten |
| Freelancing | du entscheidest | du entscheidest, abgestimmt mit deinen Kundinnen und Kunden |
Wie weit ein Unternehmen dabei wirklich geht, verrät ein anderes Schlagwort: was „remote first“ in einer Stellenanzeige bedeutet — und was nicht, haben wir eigens aufgeschrieben. Und weil ein freies Wann auch kippen kann, gehört die Rückseite dazu: Ob aus mehr Freiheit Work-Life-Integration oder Dauererreichbarkeit wird, entscheidet die Frage, wer die Grenze zieht. Wer erst einmal wissen will, was die Tage zu Hause bringen, findet die Vorteile und Nachteile vom Homeoffice mit Zahlen. Den Überblick über beide Wege in die Ortsunabhängigkeit gibt unsere Seite zum ortsunabhängigen Arbeiten.
Wir hatten 2022 zwei gute Bürojobs im Münsterland, und seit Anfang 2023 arbeiten wir ohne Büro — Nici zuerst als Remote-Angestellte, seit Januar 2026 als Freelancerin, Ralph als Freelancer seit dem ersten Tag. Was sich am meisten verändert hat, war nicht die Ausstattung um uns herum, sondern wer entscheidet: Wir bestimmen nicht nur, wo wir arbeiten, sondern auch, wann. Die Arbeit richtet sich nach unserem Tag. Wenn wir heute das Wort New Work hören, denken wir an diesen Satz und nicht an einen Kicker.
Häufige Fragen zu New Work
Was bedeutet New Work?
New Work bedeutet ursprünglich Arbeit, die Menschen wirklich tun wollen, statt Arbeit, die sie nur für den Lebensunterhalt machen. Den Begriff hat der Philosoph Frithjof Bergmann Anfang der 1980er Jahre in der US-Autostadt Flint geprägt, als Gegenentwurf zur klassischen Lohnarbeit. Heute steht New Work in Unternehmen für den Wandel der Arbeitswelt: flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, agile Methoden, neue Bürokonzepte und flachere Hierarchien. Was davon ankommt, ist sehr unterschiedlich.
Was sind Beispiele für New Work?
Bekannte Beispiele für New Work sind Homeoffice-Regelungen, Gleitzeit und Vertrauensarbeitszeit, Workation, Remote-first-Unternehmen, agile Methoden wie Scrum, Desk-Sharing und Großraumbüros, Duz-Kultur und flache Hierarchien sowie Ausstattung wie Lounges oder Tischkicker. Sie wirken sehr verschieden: Nur ein Teil davon verändert, wo und wann du arbeitest. Der andere Teil macht das Büro angenehmer, lässt aber Arbeitsort und Arbeitszeit, wie sie sind.
Wer hat New Work erfunden?
New Work geht auf den Philosophen Frithjof Bergmann zurück, der an der University of Michigan lehrte. Anfang der 1980er Jahre gründete er in Flint, Michigan, ein Zentrum für Neue Arbeit, als die Automatisierung bei General Motors viele Arbeitsplätze bedrohte; die Quellen nennen 1981 oder 1984. Sein Hauptwerk „Neue Arbeit, Neue Kultur“ erschien 2004 auf Deutsch. Bergmann starb 2021 und hat die heutige, verkürzte Verwendung des Begriffs selbst deutlich kritisiert.
Was wird an New Work kritisiert?
Die wichtigste Kritik lautet, dass vom ursprünglichen Konzept wenig übrig ist. Die Technikfolgen-Forscherin Bettina-Johanna Krings beschreibt 2023, dass nur ein kleiner Teil umgesetzt wird und die Sicht der Unternehmen dominiert. Bergmann selbst nannte die verkürzte Fassung „Lohnarbeit im Minirock“. Dazu kommt, dass Maßnahmen wie Großraum und Desk-Sharing für Beschäftigte auch Nachteile haben, etwa Lärm und den Verlust des eigenen Platzes, obwohl sie als Fortschritt gelten.
Woran erkenne ich, ob ein Unternehmen New Work ernst meint?
Am deutlichsten daran, ob Beschäftigte über Ort, Zeit und Inhalt ihrer Arbeit mitbestimmen. Ein Unternehmen, das Ergebnisse statt Anwesenheit misst, die Wahl des Arbeitsorts zulässt und Teams über Prioritäten mitentscheiden lässt, setzt den Kern von New Work um. Ein Unternehmen, das vor allem Büroausstattung, Duz-Kultur und neue Meetingformate einführt, verändert dagegen die Umgebung, aber nicht die Frage, wer über die Arbeit verfügt.
Hat New Work etwas mit Remote-Arbeit zu tun?
Ja, Remote-Arbeit ist eine der Formen, in denen New Work am weitesten geht. Wenn die Arbeit an kein Büro mehr gebunden ist, entscheidest du über den Ort und meistens auch über die Uhrzeit, und das kommt Bergmanns Idee von selbstbestimmter Arbeit näher als ein neues Bürokonzept. In Deutschland ist das aber die Ausnahme: 2024 arbeiteten 24 Prozent der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich im Homeoffice, und nur ein Viertel davon ausschließlich (Statistisches Bundesamt, 2025).
Über den Autor
Ralph Höfting ist Mitgründer von Nomads on a Path und seit Anfang 2023 selbstständiger Freelancer im Online-Marketing — seit 2023 ortsunabhängig, seit Anfang 2026 mit fester Base in Bangkok. Gemeinsam mit Nici begleitet er im Gruppen-Mentoring The Nomads Work Frauen auf beiden Wegen in die Remote-Arbeit.
Dein Unternehmen hat New Work — aber bestimmst du mit, wo und wann du arbeitest?
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